GEO und AEO · Messung
Sichtbarkeit in ChatGPT messen: eine Methode, die trägt
KI-Antworten fallen jedes Mal etwas anders aus. Trotzdem lässt sich Sichtbarkeit darin messen, wenn man es richtig anstellt. Eine Methode, die ohne teure Werkzeuge auskommt.
Kurz beantwortet
Sichtbarkeit in ChatGPT misst man mit einer festen Liste von Fragen, die in regelmäßigen Abständen im exakten Wortlaut gestellt werden, jeweils in einer frischen Sitzung ohne Personalisierung. Festgehalten werden Datum, System, ob das Unternehmen genannt und verlinkt wurde und ob die Antwort aus einer Live-Suche stammt. Aussagekräftig ist erst der Verlauf, nicht die einzelne Antwort.
Warum das Messen schwieriger ist als bei Google
Bei Google gibt es eine Trefferliste und eine Position. Die Search Console zeigt, bei welchen Suchanfragen eine Seite erschienen ist und wie oft sie angeklickt wurde. Bei KI-Antworten fehlt beides. Es gibt keine Position, nur eine Antwort, und dieselbe Frage kann an zwei Tagen zu zwei verschiedenen Antworten führen.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Eine einzelne Antwort beweist nichts. Weder dass ein Unternehmen sichtbar ist, noch dass es unsichtbar ist. Belastbar wird eine Aussage erst, wenn dieselben Fragen unter denselben Bedingungen über mehrere Durchgänge gestellt wurden.
Schritt eins: ein festes Fragenset
Gute Fragen klingen so, wie Kunden wirklich fragen. Bewährt hat sich eine Mischung aus vier Arten:
| Art | Beispiel | Was sie prüft |
|---|---|---|
| Entität | „Was ist [Firmenname]?“ | Kennt das System das Unternehmen und beschreibt es richtig? |
| Empfehlung | „Wer macht Badsanierungen in Augsburg?“ | Wird das Unternehmen bei einer Anbietersuche genannt? |
| Fachfrage | „Was kostet eine Badsanierung ungefähr?“ | Wird die eigene Website als Quelle herangezogen? |
| Branche | „Wer saniert Bäder barrierefrei in Bayern?“ | Wie tief reicht die Sichtbarkeit in die Spezialisierung? |
Zehn bis fünfzehn Fragen reichen für den Anfang. Wichtiger als die Menge ist, dass sie unverändert bleiben. Wer die Fragen nach jedem Durchgang umformuliert, kann nichts vergleichen.
Schritt zwei: immer gleich durchführen
Fester Rhythmus
Einmal im Monat, möglichst am selben Tag. Der erste Durchgang ist der Nullpunkt, an dem alle späteren gemessen werden.
Exakter Wortlaut
Jede Frage zeichengleich kopieren, in derselben Reihenfolge stellen.
Frische Sitzung
Ohne Anmeldung oder in einem temporären Chat mit ausgeschaltetem Gedächtnis. Sonst misst man die eigene Nutzungsgeschichte statt der Sichtbarkeit.
Mehrere Systeme
ChatGPT, Gemini, Perplexity, Copilot, Claude und die KI-Übersicht von Google, jeweils in fester Reihenfolge.
Screenshot je Antwort
Mit Datum abgelegt. Ohne Beleg ist eine spätere Behauptung nicht überprüfbar.
Schritt drei: das Protokoll
Für jede Antwort werden dieselben Felder festgehalten:
- Datum, System und die Frage im exakten Wortlaut
- Wurde das Unternehmen genannt? Unter den ersten drei Empfehlungen?
- Wurde die eigene Website verlinkt, und wenn ja, welche Unterseite?
- Welche Wettbewerber wurden genannt, welche fremden Quellen zitiert?
- Stammt die Antwort aus einer Live-Suche oder aus dem Trainingswissen?
- Ist etwas falsch beschrieben, etwa Ort, Leistungen oder Name?
Schritt vier: auswerten, ohne sich etwas vorzumachen
Nach drei oder vier Durchgängen zeigt sich ein Muster. Typische Befunde und was sie bedeuten:
- Bei Entitätsfragen falsch beschrieben: Unternehmensangaben sind uneinheitlich. Mehr im Artikel NAP-Konsistenz.
- Bei Empfehlungen nie genannt, trotz Live-Suche: Die Website steht nicht im Index oder rankt zu schwach. Erst die Indexierung prüfen, siehe Warum wird meine Seite nicht indexiert?
- Genannt, aber nicht verlinkt: Das System kennt das Unternehmen, zitiert aber fremde Quellen. Eigene Seiten mit direkten Antworten fehlen.
- Schwankend: Normal. Entscheidend ist die Richtung über mehrere Monate.
Werkzeuge oder Handarbeit?
Es gibt Werkzeuge, die solche Abfragen automatisieren. Sie lösen das Grundproblem nicht, dass Antworten schwanken, sie machen es nur schneller sichtbar. Für ein kleines Unternehmen mit einem Dutzend Fragen ist der Aufwand von Hand überschaubar, und das Ergebnis bleibt nachvollziehbar. Kommt später ein Werkzeug dazu, ist das eigene Protokoll die Vergleichsgrundlage.
Wie KKM-Design misst
Häufige Fragen
Wie kann ich meine Sichtbarkeit in ChatGPT überprüfen?
Mit einem festen Satz von Fragen, den Sie regelmäßig in einer frischen Sitzung stellen. Notiert wird je Frage, ob Ihr Unternehmen genannt, richtig beschrieben und verlinkt wird. Erst der Vergleich über mehrere Monate zeigt eine Entwicklung, eine einzelne Antwort sagt wenig, weil die Ergebnisse schwanken.
Wie messe ich, wie oft meine Marke in ChatGPT-Antworten erscheint?
Es gibt zwei Wege: die Messung von Hand mit festen Prompts und Protokoll oder ein Werkzeug, das dieselben Prompts automatisch und häufiger abfragt. Beide liefern Stichproben, weil ChatGPT keine Statistik über Nennungen herausgibt. Für kleine Unternehmen genügt die Messung von Hand mit einem festen Fragenset einmal im Monat.
Warum bekomme ich andere Antworten als mein Kollege?
KI-Systeme berücksichtigen den Gesprächsverlauf, gespeicherte Vorlieben und teils den Standort. Deshalb gehört eine frische Sitzung ohne Personalisierung zur Messung. Selbst dann schwanken Antworten, weil die Systeme nicht bei jeder Anfrage gleich formulieren.
Zeigt die Search Console Besuche aus ChatGPT?
Nein. Die Search Console zeigt nur Daten aus der Google-Suche, Klicks aus den KI-Übersichten sind dort in den normalen Zahlen enthalten. Besuche, die über Links in ChatGPT oder Perplexity kommen, sieht man in der eigenen Webanalyse als Verweise von diesen Seiten.
Wie oft sollte ich messen?
Einmal im Monat genügt. Änderungen an Website und Index brauchen Zeit, und häufigere Messungen zeigen vor allem das normale Schwanken.
Kay Strack · Webdesigner und Cloud Engineer · KKM-Design